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Die
Wiederansiedelung
der Äsche
in der oberen Nidda
Angelsportverein Nidda und Umgebung e.V. 1959
Der Angelsportverein Nidda
hat die Fischereirechte an der Nidda auf einer Länge von ca. 16 km langfristig
gepachtet.
Bereits vor über zwanzig
Jahren wurde vom Verein die Bachpatenschaft für diesen Gewässerbereich
übernommen.
In dieser Zeit vollzog sich
der Wandel der Vereinsarbeit von der reinen Ausübung der Fischerei hin zu einer
ökologischen Gewässerbewirtschaftung mit spezieller Ausrichtung auf Natur-,
Gewässer- und Artenschutz.


Bilder vom „Frühjahrputz
2007“ und „Bachreinigung 2006“
Durch jährliche
Bachreinigungsaktionen, Erstellung eines Pflegeplanes, Bestandsaufnahme der
Gewässersituation im Jahr 2007, Pflanzungen mit standortgerechten Gehölzen,
Besatz mit bedrohten Kleinfischarten (Elritze, Bachschmerle), Einbringen von
Jungaalen zur Bestandserhaltung und Einbürgerung des Flusskrebses versuchen wir
eine artenreiche und naturnahe Nidda zu erhalten. Durch die Gestaltung von
Schulunterricht und Information der Bevölkerung durch Schauaquarien und
Pressearbeit versuchen wir, das bestehende Informationsdefizit im Hinblick auf
den Gewässerschutz und Fischartenschutz zu verringern.
Wenn man bedenkt, dass 70%
der heimischen Süßwasserfischarten auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten
zu finden sind, wird deutlich, dass hier noch viel Arbeit zu leisten ist.
Die Nidda
Die Nidda als größter und
längster Fluss im Wetteraukreis nimmt in dieser Arbeit einen wichtigen Platz
ein:
Durch umfangreiche
Maßnahmen in der Abwasserbeseitigung hat sich die Wasserqualität der Nidda
wesentlich verbessert. Durch Renaturierungsmaßnahmen konnten teilweise die
massiven Zerstörungen des Gewässerausbaues zumindest abgemildert werden.
Auch werden nun im Zuge der
europäischen Wasserrahmenrichtlinien die Wanderhindernisse sukzessive beseitigt.
Somit sind die
grundlegenden Voraussetzungen geschaffen worden, dass einstmals häufig
vorkommende Fischarten, die seit Jahrzehnten ausgerottet oder fast verschwunden
waren, sich wieder in der heimischen Fauna etablieren können.

Bild eines naturnahen und
reich strukturierten Abschnittes zwischen Ober-Schmitten und Eichelsdorf
Eine dieser Arten ist
die Äsche:
Bis in die achtziger Jahre
des letzten Jahrhunderts wurden vereinzelt noch Äschen in der Nidda gefangen. In
den letzten 10 Jahren wurden jedoch nur noch 2 Exemplare gefangen, und da die
Äsche in unserem Vereinsbereich ganzjährig geschützt ist, wieder zurückgesetzt.
Ein sehr kleiner
Restbestand hat sich demnach noch erhalten, kann jedoch nur durch künstlichen
Besatz gesichert und vergrößert werden.
In der Einteilung der
Fließgewässer unterscheidet man ab der Quelle Bachforellenregion,
Äschenregion, Barbenregion, Brachsenregion und Brackwasserregion im
Mündungsbereich.
In der Nidda sind
Bachforellen-, Äschen- und Barbenregion im Bereich der Pachtstrecke des Vereins
anzutreffen.
Leider ist von den drei
„Leitfischen“ dieser Regionen nur die Bachforelle zahlreich in der Nidda
vertreten.
Aufgrund der
Gewässerbedingungen (Fließgeschwindigkeit, Wassertemperatur,
Strukturierung des Gewässers) bietet der Bereich Kernstadt Nidda bis etwa zum
Ortsteil Eichelsdorf die Voraussetzungen, die Äsche in der Nidda wieder heimisch
zu machen.

Überströmte Kiesbänke, wechselnde
Strömungsgeschwindigkeit und Wassertiefe - typischer Lebensraum der Äsche
(Ober-Schmitten)
Die Äsche zählt zu unseren
schönsten und anspruchvollsten Fischen.
Sie benötigt kaltes,
sauerstoffreiches Wasser mit festem und kiesigem Untergrund, wird bis zu ca.
50cm groß und ca. 2 Kg schwer.
Ihre Nahrung besteht
hauptsächlich aus Insekten, die sie sowohl unter Wasser als auch an der
Oberfläche erbeutet. Nur große Exemplare ernähren sich auch von kleinen Fischen.

Bis vor einigen Jahren nicht
mehr in der Nidda zu finden: Der Flutende Hahnenfuß, eine Wasserpflanze, die
hervorrage Unterstände für Jungfische und gleichzeitig
Lebensraum für
Wasserinsekten bietet. Mittlerweile im Oberlauf der Nidda wieder häufig
anzutreffen.
In der Laichzeit von März
bis Mai legt ein Äschenweibchen bis zu 10.000 Eier bis zu vier Zentimeter tief
in das Bodensubstrat überströmter Kiesbänke.
Hierin liegt eine der
Hauptursachen für den dramatischen Rückgang der Äschenbestände in den letzten
Jahrzehnten:
- Querverbauungen (Wehre,
Sohlabstürze u.ä.) verhindern das Aufsteigen der laichbereiten Äschen in
Gebiete mit geeigneten Kiesbänken
- Gewässerausbau und
technische Gewässerunterhaltung haben vielerorts diese Bereiche komplett
zerstört.
Ein sicheres Indiz dafür,
dass die obere Nidda zur Fortpflanzung der Äsche geeignete Habitate aufweist,
ist die Tatsache, dass die Bachforelle sich im gesamten Bereich sehr zahlreich
natürlich fortpflanzt. Dies geschieht auf ähnliche Weise wie bei der
Äsche.

Junge Bachforelle aus
natürlicher Reproduktion
In den vergangenen Jahren
stellte die Beschaffung geeigneter Äschen-Setzlinge ein großes Problem dar.
Es gab große
Schwierigkeiten bei der künstlichen Vermehrung und der Aufzucht der Jungäschen.
Glücklicherweise hat ein
Fischzüchter in der hessischen Rhön hierbei erstaunliche Erfolge erzielt, was
überhaupt erst eine Wiederansiedlung der Äsche ermöglicht.
Die Fischzucht Keidel, die
sich auf extensive Bachforellenzucht (Rhöner Bachforelle) und die Aufzucht
heimischer Äschenstämme aus hessischen Gewässern spezialisiert hat, ist in der
Lage, größere Mengen 10 bis 12 cm langer Jungäschen zu liefern. Hierbei
unterliegen alle Zuchtfische einer strengen Kontrolle und werden regelmäßig auf
ihren Gesundheitszustand (Viren, Parasiten und anatomischer Zustand) vom
Landeslabor Hessen untersucht.
Glücklicherweise kann der
ASV Nidda auch aus den Erfahrungen anderer Wiederansiedlungsmaßnahmen
profitieren.
Seit mehreren Jahren führt
die Arbeitsgemeinschaft Sinntal in Zusammenarbeit mit dem Züchter Keidel
erfolgreich ein Wiederansiedlungsprogramm an der Sinn durch.
Auch hat der erste
Besatz mit Äschen bereits erfreuliche Ergebnisse gezeigt:
Aus eigenen finanziellen
Mitteln hat unser Verein im Frühjahr 2007 einen Erstbesatz mit 1200 Jungäschen
durchgeführt.

Besatz im Jahr 2007: Jungfische werden nach vorsichtiger
Anpassung an die Wassertemperatur in der Nidda ausgesetzt.

Direkt nach dem Einsetzen bilden die Jungäschen sofort
kleinere Schwärme und suchen passende Standorte in ihrem neuen Gewässer.
Erfreulicherweise konnten
bereits nach drei Monaten bei Zufallsfängen mit der künstlichen Fliege beim
Forellenfischen 3 Äschen fotografiert und gemessen werden. Hierbei zeigte sich,
dass das Wachstum der Fische im optimalen Bereich lag, was ebenfalls die Eignung
der Nidda für Äschen unter Beweis stellt.


Zwei Jungäschen
aus dem Erst-Besatz 2007: 20,8cm und 19,5cm lang.

Erfreulicherweise wurden im April 2008 drei größere Äschen bis ca. 38cm gefangen
und selbstverständlich sofort schonend zurück gesetzt.
Um einen nachhaltigen
Aufbau einer Äschenpopulation zu erreichen, ist es nach Auskunft des
Fischereimeisters Keidel notwendig, über einen fünfjährigen Zyklus Jungäschen zu
besetzen.
Hierdurch wird
sichergestellt, dass über die Lebensspanne einer Äsche jeweils jährlich
Jungfische hinzukommen, um alle Altersstufen einer Äschenpopulation aufzubauen.
Nach Einsetzen der
Geschlechtsreife ab 2-3 Jahren beim Männchen und 3-4 Jahren beim Weibchen, kommt
dann natürlicher Nachwuchs hinzu.
Bei den derzeitigen Kosten für Besatzäschen kostet unser
Artenschutzprojekt, ohne Berücksichtigung der ehrenamtlichen Helfer und
der notwendigen Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Besatz, ca. 7.000,00 €.
Sollte die Wiederansiedlung
der Äsche in der Nidda gelingen, hätte nicht nur die Äschenregion in der Nidda
ihren Namen wieder verdient, sondern man hätte einer europaweit bedrohten
Tierart bei ihrem Überlebenskampf in den vom Menschen negativ veränderten
Gewässern geholfen.
Leider haben bedrohte
Fischarten in der Vergangenheit nicht nur annähernd so viel Beachtung gefunden,
wie dies zum Beispiel bei Vogel- oder Säugetierarten der Fall war.
Bedingt dadurch, dass
Fischereivereine neben Naturschutz auch die Natur nutzen, werden den Vereinen
bei ihren Bemühungen um den Erhalt bedrohter Arten leider oft auch weniger
ehrenvolle Absichten unterstellt, will man doch vielleicht nur „mehr edle
Speisefische erbeuten“.
Hierzu können wir
versichern, dass selbst bei optimalem Verlauf unseres Projektes, die Äsche
dennoch über viele Jahre weiter einem grundsätzlichen, ganzjährigen Fangverbot
unterliegen muss und wird.
Auch bedarf es der
Anmerkung, dass zu keiner Zeit Hobbyfischer am Rückgang oder gar an der
Ausrottung einer Fischart schuldig waren.
Hier waren immer Faktoren
wie Gewässerverschmutzung, Gewässerverbauung und Gewässerausbau mit technischer
Gewässerunterhaltung ausschlaggebend.
Ohne den massiven
finanziellen und ideellen Einsatz der Fischereivereine wären sehr viele unsere
heimischen Gewässer weniger fisch- und artenreich.
Auch haben gerade die
Fischereivereine sehr früh um Gewässerreinhaltung und den Schutz noch intakter
Gewässerstrukturen gekämpft.
Wir hoffen, dass unser
Projekt auf Interesse, z.B. durch Fliegenfischer mit Gastkarte, stößt, da wir
durch die Einnahmen der Gastkarten zumindest einen kleinen Teil der Kosten des
Projektes finanzieren wollen.
Angelsportverein Nidda und Umgebung e.V. 1959